1225 Jahre Hettenshausen - Persönlichkeiten

Unternehmer und Visionäre aus der Gemeinde Hettenshausen

Aus der Gemeinde stammen einige Persönlichkeiten, die mit ihren Entwicklungen zum Teil große Bekanntheit erlangten oder ein Stück Lokalgeschichte prägten. Ein Blick auf ihr Leben lässt interessante Biographien zu Tage treten.

Anton Wirzmüller – ein Chemiker macht Karriere

Anton Wirzmüller erblickte am 4. Januar 1894 in Reisgang als Sohn der Gütlerseheleute Rupert und Walburga Wirzmüller das Licht der Welt. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums Scheyern in den Jahren 1905 bis 1909 und dem Schulabschluss in Freising widmete er sich nach dem Ersten Weltkrieg dem Studium der Chemie. Sein Grundlagenwerk über die Bleicherde und deren Verwendung zur Reinigung von Fetten und Ölen sollte Anton Wirzmüller eine Karriere ermöglichen, die ihn binnen kurzer Zeit bekannt machte.

Ein Jahr nach seiner Promotion stellte ihn im Jahr 1924 ein chemischer Betrieb an, dessen Produktpalette exakt dem Thema von Wirzmüllers Diplomarbeit entsprach. In schwieriger wirtschaftlicher Zeit sollte der gebürtige Reisganger mit dazu beitragen, das angeschlagene Unternehmen in eine bessere Zukunft zu führen.

Nach Schwierigkeiten in der Firma traten jedoch unerwartet die zwei Direktoren zurück und Anton Wirzmüller, gerade einmal 30 Jahre alt, rückte nach wenigen Wochen an die Spitze. Er erhielt vom Aufsichtsrat die Vorgabe, den Betrieb zu sanieren – und dies gelang dem jungen Chemiker! Wirzmüller verkaufte überflüssiges Betriebsinventar und erwirtschaftete auf diese Weise finanzielle Mittel, die er umgehend in die Modernisierung der Betriebsabläufe investierte. Schon bald rollten Waggons mit Bleicherde aus dem Firmengelände und die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begann. Unter seiner Federführung schuf sich die Firma mit der Herstellung von Schwefelsäure ein zweites Standbein und blieb über Jahrzehnte erfolgreich. Anton Wirzmüller verstarb am 3. Januar 1969, einen Tag vor seinem 75. Geburtstag, in Kelheim.

Ludwig Kraus – Entwickler von Rennwagen und Retter von Audi

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Der promovierte Maschinenbau-Ingenieur Ludwig Kraus

 

Als Sohn der Müllerseheleute Michael und Barbara Kraus verbrachte der am 26. Dezember 1911 in Hettenshausen geborene Ludwig Kraus hier seine Kinder- und Jugendjahre. Nach dem Abitur widmete er sich dem Maschinenbau und schloss sein Studium mit der Promotion ab.

Ab 1939 arbeitete er für Daimler-Benz und war ab 1951 Leiter der Konstruktionsabteilung für Rennwagenbau und an der Entwicklung der berühmten Mercedes-Silberpfeile in den 1950er Jahren unmittelbar beteiligt.

Daimler-Benz, Hauptanteilseigner beim in den frühen 1960er Jahren angeschlagenen Konzern Auto-Union, schickte Ludwig Kraus nach Ingolstadt, um die Entwicklung eines modernen 4-Takt-Automobils zu initiieren, nachdem die veralteten 2-Takter das Unternehmen in die Verlustzone gebracht hatten. Nachdem die Entwicklung eines neuen Wagens nicht schnell genug vonstattenging, verkaufte Daimler seine Anteile an VW.

Unter Heinrich Nordhoff, dem Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, drohte Audi das Ende als eigenständige Marke und die Integration in den VW-Verbund. Obwohl Nordhoff bestimmt hatte, dass die Entwicklung neuer Automodelle künftig nur noch in Wolfsburg und nicht mehr in Ingolstadt zu erfolgen hatte, arbeitete Ludwig Kraus im Geheimen an einem neuen Viertakt-Modell und konnte Nordhoff von dessen Perspektiven auf dem Automarkt überzeugen. Unter dem Namen „Audi 100“ ging das Modell in Serie und wurde mit moderner Technik ein ernsthafter Konkurrent zu Ford, Opel und Mercedes-Benz. Somit wurde Ludwig Kraus, der auch den berühmten italienischen Karosseriedesigner Giorgio Giugiaro für Entwürfe von Audi-Modellen hatte gewinnen können, als technischer Direktor der Auto Union GmbH Ingolstadt zum „Retter“ von Audi. Der gebürtige Hettenshausener verstarb nach einem schaffensreichen Leben am 19. September 1997 München.

Ein Radiohändler in Prambach – Die Geschichte von Max Holzinger

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Das 1938 von Max Holzinger erworbene Haus in Prambach

 

 

 

 

 

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Geschäftsanzeige des Radiohändlers und Kaufmanns Max Holzinger

Der Weiler Prambach entwickelte sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zum gefragten Standort für technische Betriebe. Nachdem sich dort bereits im Jahr 1948 die Firma MAWA – ab 1961 in Pfaffenhofen ansässig – niedergelassen hatte, eröffnete im April 1954 der Münchener Radiotechniker Max Holzinger in Prambach eine Handlung mit Radio- und Fernsehgeräten.

Er hatte das im Isartaler Stil erbaute Haus im Jahr 1938 vom Pfaffenhofener Heimatdichter und Bühnenautor Josef Maria Lutz erworben und als Sommerhaus genutzt. Nachdem Holzinger durch Luftangriffe auf München im Zweiten Weltkrieg seine Frau verloren hatte und die Werkstätten seiner Radio-Großhandlung zerstört worden waren, bauten zwei Söhne nach dem Krieg das Geschäft wieder auf. Max Holzinger dagegen eröffnete im April 1954 in Prambach eine Reparaturwerkstätte für Radio- und Fernsehgeräte und vertrieb Haushaltsgeräte aller Art. Bis zu seinem Tod am 20. September 1960 im Alter von 73 Jahren hatte das Geschäft Bestand.

 

Bild und Text von Sauer Andy 

Historiker und Stadtarchivar

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